Weiter im Text.
Wir verließen den Flughafen. Stolz führte ich ihr den neuen Player vor. Wir fuhren zurück zur Route National, nach Süden. Durch Folelli, Moriani Plage. Nach ungefähr 40 Minuten waren wir am Ziel. Ich fuhr natürlich an der kleinen Straße nach "Dirudu" vorbei, wie noch ungefähr 10 mal in den nächsten Tagen. Man muss aufpassen, etwa einen Kilometer, nachdem links die Einfahrt zu einem Hafen auftaucht, rechts rein. Das Schild "Dirudu" ist nur von Süden aus kommend zu sehen.
Ansonsten lief alles wie geschmiert. Wir fuhren zum Nachbarn, holten uns den Schlüssel, öffneten das weiß gestrichene Eisentor und machten uns sogleich daran, die wenigen Sonnenstrahlen in das Haus hineinzulassen. Es hatte vielleicht 18-19 Grad, ein Wert, der auch in den folgenden Tagen kaum je übertroffen wurde.
Das Haus hat etwas Befremdliches. Es ist wunderschön, aber riesengroß und ziemlich kühl. Nicht nur durch das kühle Wetter. Es hat fast überall Marmorboden, und im Wohnzimmer stehen wuchtige Rolf Benz Couchen. Es entspricht in vielem Floris Stil, lässt aber an Gemütlichkeit vermissen. Wir hatten trotz einiger Heizstrahler und einem Ofen größte Mühe, den Innenraum auf über 20 Grad aufzuheizen.
Das ganze Wochenende über war das Wetter sehr wechselhaft. Ich mochte mich nicht so recht in meine eigentliche Arbeit, das Durcharbeiten von "Speech & Language Processing", hineinbegeben. Stattdessen las ich das Spiegel Special über den ersten Weltkrieg. Kathrin fragte, wie ich nur so etwas lesen könne. Den Rest des Tages beschäftigten wir uns damit,
Das, was die Situation allerdings komplett seltsam machte war, dass ich Kathrin überhaupt nicht mehr erreichte. Ich war so wie immer, sogar noch besser drauf, zumindest anfangs, und küsste sie gelegentlich, umarmte oder streichelte sie wie eben immer. Ich bekam aber nichts zurück. Nachts war es noch schlimmer, da sie jedes Interesse verloren zu haben schien. Nach kurzer Zeit schlug meine gute Laune um, und ich wurde immer frustrierter.
Diese ganzen ersten Tage standen unter einem dunklen Stern. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie am liebsten Ostern zu hause sein wollte. Wir redeten ernsthaft darüber, ob man nicht Donnerstag vor Ostern schon wieder heimfahren könne. Dass sie darüber überhaupt nachdachte, drehte mir den Magen um. Ich hatte mich so auf sie gefreut, hatte mich nach ihr gesehnt, und sie schien nichts mehr dergleichen für mich zu empfinden. Etwas in ihr war für mich gestorben. Genau der Teil, der mir Zuneigung entgegegengebracht hatte, war nicht mehr da. Wir vertagten die Entscheidung mehrfach. Ich dachte, durch die Schönheit der Insel und durch unser Zusammensein könnte ich sie schon noch davon überzeugen, dass eine 8stündige Autofahrt plus Fähre Wahnsinn ist, wenn man dann nicht mal eine Woche bleibt. Doch ich musste ihr entgegenkommen, und wir fuhren noch nach Bastia zum Büro der Fährgesellschaft. Erst, als sie erfuhr, dass die Rückfahrt durch die Umbuchung wesentlich teurer werden würde, begann sie, ihrerseits von ihrem Plan abzurücken.
Na gut, sie war fünf Wochen von zuhause weg gewesen, so lange wie noch niemals zuvor. Aber war es ihr diese Woche, auf dieser wunderschönen Insel, und auch mit MIR, nicht wert? Anscheinend nicht. Das machte mich traurig, denn ich begann die Lage jetzt zu erfassen.
Ansonsten beschäftigten wir uns damit zu kochen. Kathrin wollte einige Dinge kochen, die sie in Frankreich gemacht hatten. Crepes, eine Quiche, derartige Dinge. Als Aperitiv gab es Kir, Weißwein mit Cassis, wozu wir uns zunächst an Floris Weinregal bedienten. Sie erzählte einiges von Frankreich, wie schön es in der Bretagne bei den Verwandten von Jule gewesen sein musste.
Gott sei dank war sie gegenüber Aktivitäten nicht abgeneigt. Wir hielten es in dem kalten Haus inmittten unerforschter Landschaft nicht mehr aus. Unser erster Ausflug führte uns nach Cervione, wo wir einen Blick über die östliche Tiefebene genießen und das pitoreske Örtchen, das sich an den steilen Hang schmiegt, in Augenschein nehmen konnten. Wir verließen den Ort südwärts, um einen Abstecher zu dem Staudamm zu machen, der das große Trinkwasserreservoir beherbergte. Auf der Fahrt machten wir erstmals Kontakt mit den hiesigen Schweinen, die sich neben der Straße suhlten, und mit einigen Gemsen. Für die Rückfahrt wollte ich eine weiß eingezeichnete Straße nehmen, die etwas weiter unterhalb den Bach kreuzen würde, der aus dem Staudamm weiterführte. Doch die "Straße" wurde mit jedem Meter enger und holpriger. Zunächst hörte der Asphalt auf, dann wurde der Untergrund ruppiger und zerfurcht von Wasserrinnen. Etwas weiter rückte die Macchia von beiden Seiten so nahe, dass dornige Äste am Auto entlangschleiften. Nach weiteren hundert Metern war die Reise zu ende. Nur noch ein Trampelpfad führte weiter, und ich war dann ganz froh, dass mein Auto die nicht unerhebliche Steigung ohne größere Probleme wieder hinter sich brachte.
Montag oder Dienstag nacht platzte es aus mir heraus, und ich stellte Kathrin zur Rede. Sie wollte gerade wieder nur weit von mir weggedreht einschlafen. Ich fragte sie, was los sei. Nach einigem hin und her sagte sie, was in seiner Wirkung größte Folgen haben sollte. Sie sagte geradeaus, in Frankreich hätte sie gemerkt, dass sie mich eigentlich gar nicht so vermisst hätte. Über diese Aussage hätte ich nun vielleicht erstaunt oder entrüstet oder gekränkt sein müssen. Erstaunlicherweise reagierte ich ganz anders, und blitzschnell redete ich darüber, dass ich das verstehen könnte, weil ich in den vergangenen Monaten vielleicht zu viel mit mir selbst beschäftigt gewesen wäre. Ich hätte zu viele meiner Sorgen bei ihr rausgelassen, und sie hätte wohl daher nicht viel von mir gehabt.
Wir redeten noch eine ganze Weile so weiter, an die genauen Inhalte kann ich mich nicht mehr erinnern. Zu sehr überdeckt diese eine Aussage wohl den Rest. Ich weiß noch, dass wir schon darauf zu sprechen kamen, wie es denn weitergehen soll. Ich sagte ihr nochmal, wie sehr ich mich auf sie gefreut hatte. Wir redeten wohl eine ganze Zeit, und wir waren beide sehr froh über die Offenheit und Tiefe, in der sich das zutrug. Wir sagten beide, so sollten wir öfter reden, und ich hatte jetzt den Eindruck, dass sie sich weiterentwickelt hatte. Meine Gefühle wurden immer stärker, und dann flüsterte ich ihr zu, dass ich sie liebe. Zu diesem Zeitpunkt hielten wir uns schon umklammert, und ich spürte, wie ein Zittern durch ihren Körper ging. Ich weiß nicht, ob es eine Art Schluchzen war oder eine andere Gefühlsregung.
Jedenfalls markierte dieses Gespräch einen Wendepunkt. Irgendwie wussten wir beide, dass in naher Zukunft eine Entscheidung bevorstand, doch ohne uns abzusprechen, entschieden wir, diesen Urlaub von nun an zusammen zu genießen.
Meine Gefühle ihr gegenüber waren echt. Doch nun bemerkte ich, dass meine Avancen wieder erwidert wurden. Es war ein Pflänzchen, das nun jeden Tag wuchs. Und mit jedem Tag wurde der Urlaub schöner. Wir stritten uns nicht, waren meist einer Meinung, und genossen die Tage. Morgens wurde ich meist bereits um halb acht von der Sonne geweckt, wir machten ein fürstliches Frühstück, und machten uns dann am späten Vormittag auf, die Insel zu erkunden. Das Wetter war danach.
Den Anfang machte der erwähnte Besuch in Bastia, bei dem Büro von Corsica Ferries. Wir fuhren weiter über den Kamm des beginnenden Cap Corse, durch das Weinanbaugebiet von Patrimonio, bis zum Turm von Nonza, und zurück über St. Florent. Schon bei diesem Trip ließen wir uns durch die Schönheit von Korsika gefangen nehmen. Nebenbei gestattete ich mir allerdings das Sakrileg, zur Aufmunterung bei der Fahrt eine Polt-CD einzulegen. Die Rückfahrt von Nonza bis Saint Florent ist für mich daher belegt durch das Stück über die Toleranz, ähnlich wie damals die Fahrt von Sacramento hoch zum Donner Pass für mich belegt war durch eine Fredl Fesl CD...
Das Tolle war, dass wir uns beide einen Ast lachen konnten über diese Geschichten. Irgendwann dachte ich mir, nie wirst Du jemanden heiraten können, der den Humor von Gerhard Polt nicht versteht. Das schränkt die Anzahl der Personen, die für eine Heirat in Frage kommen, schon ziemlich ein...
Ich kann mich daran erinnern, dass wir in zwei Nächten auch wieder miteinander schliefen, und dass diese Male nicht zum Schlechtesten gehörten. Einmal kam sie sogar bis zum Schluss.
Ich atmete jedenfalls auf. Es wurde besser. Und noch dazu hatte sich eine weitere Veränderung ergeben. Sie erschien mir plötzlich so viel freier und erwachsener zu sein. Wie ich das toll fand! Sie kam mir mit einem mal noch wesentlich attraktiver vor. Es gab Momente, da dachte ich, doch, diese Frau wäre jemand, mit dem Du immer zusammenleben willst.
Der nächste Ausflug führte uns von hinten durch die Castaniccia. Wir fuhren nach Casamozza und dort links weg Richtung Corte, um dann auf halber Strecke nach links von der Route National aufzubrechen und entlang einer schmalen Straße den Berg zu erklimmen. Unser Ziel war der San Pedrone, von dem man aus einen großartigen Blick auf diese Ecke von Korsika haben sollte.
Wir stellten das Auto an einer Passhöhe ab und hielten uns entlang eines breiten Weges. Die Schweine, die in unserem Wanderführer beschrieben waren, befanden sich anscheinend ob der Kälte noch im Tal, jedenfalls waren eher wenige Tiere am Wegrand zu sehen. Der Weg führt zwei Stunden lang durch ein waldiges Stück, um dann auf einer Lichtung am Südende zu enden. Dann führt ein wesentlich steileres Stück eine Flanke hinauf. Erst kurz vor dem Gipfel lichten sich die Bäume, und man steht plötzlich auf 1800 Meter Höhe. Am Horizont das Meer, nach Südosten hin die 1000 Meter höheren Gipfel des zentralen Massivs um den Monte Cinto. Wir waren zufrieden. Kurz vor dem Abstieg kreuzten noch zwei Einheimische unseren Pfad. Sie waren von vorne über einen wesentlich steileren Aufstieg gekommen, und machten sich eher im Laufschritt als gehend daran, unseren Weg zurück zu nehmen. Sie sagten, den Weg, den wir in 2,5 Stunden gemacht hätten, könnte man hochlaufen, dann bräuchte man nur 50 Minuten. Sie würden das eben zum Sport machen.
Wieder zurück am Auto. Wir schlängelten uns durch die Castaniccia, mindestens eineinhalb Stunden lang. Auf halber Strecke ein kleiner Ort, an dem sich zwei hinreißende kleine Hunde tummelten. Beide augenscheinlich aus einem Wurf, in dem ein eher kleiner weißer kurzhaariger Pinscher sowie ein wesentlich langhaariger, schwarz-gefleckter Hund, wahrscheinlich so etwas wie ein Berner Sennen Hund, enthalten waren. Der eine war weiß und kurzhaarig, mit einem schwarz-braunen linken Auge, der andere langhaarig und mit einem größeren Stück schwarzen Fells. Selten so lustige Hunde gesehen, die sich uns gleich anschlossen und sich kurz darauf ein paar Kühen zuwandten, die es wagten, durch den Ort zu laufen. Das konnte nicht sein. Die Kühe wurden verjagt.
Am Gründonnerstag folgte unsere längste Tour. Ich muss sagen, dass ich sie wahrscheinlich nicht unternommen hätte, wenn ich die Länge der Fahrt gewusst hätte. Wir fuhren kurz vor Corte rechts hinein, über den Pass und nach Porto. Das kostete uns geschlagene vier Stunden. Der Pass begann mit steil aufragenden Felswänden, canyonartig, um dann in eine Art Hochebene überzugehen. Es folgte ein großes Waldstück, und am Pass selbst war eine Statue aufgestellt. An dieser Stelle kreuzt auch der GR 20. Der Weg Richtung Porto ist dann nochmal aufregend, wenn auch endlos. Porto selbst ist kaum eine Erwähnung wert, und so trieb es uns noch in die Calanche, die roten Felsen, die vom Abendlicht unter Feuer gesetzt werden. Wir liefen eine einstündige Strecke durch diese Felsformation, und mussten dann, nach nur vier Stunden Aufenthalt, bereits wieder die Rückreise antreten. Trotzdem blieben wir beide guter Laune. Auch das war neu, in vorherigen Urlauben war Kathrin eher missmutig gegenüber größeren Anstrengungen. Gegen Abend erreichten wir Corte. Dort sollte eine Büßerprozession stattfinden. Eine Gruppe maskierter bewegte sich kreuztragend, Ketten hinter sich her ziehend und "Perdona me" singend durch die Stadt. Ein gedämpftes Schauspiel, von schätzungsweise eher einer Minderheit der Einwohner beobachtet und ganz und gar nicht mit den Feierlichkeiten in Südspanien zu vergleichen. Wir verließen den Ort bald, hungrig, und hatten noch über eine Stunde zu fahren, bis wir endlich wieder die Heimat erreichten.
Den Karfreitag verbrachten wir die meiste Zeit im Haus. Das Wetter war nicht besonders. Gegen nachmittag fuhren wir jedoch nach Bastia, um uns einerseits die Innenstadt anzuschauen, andererseits aber auch einen Gottesdienst beizuwohnen, den Kathrin so vermisste. Sie erzählte mir immer wieder davon, wie feierlich Ostern in der Oberpfalz gefeiert würde, und dass sie doch nächstes Jahr nicht wegfahren werde. Nun, kann sie haben. Die Gottesdienste waren jedoch schlecht besucht. Insgesamt, so mussten wir feststellen, schienen die kirchlichen Osterfeierlichkeiten auf Korsika keine besonders große Rolle zu spielen. Die Pastisserien und Bäckereien warteten jedoch mit einer Vielzahl an Herrlichkeiten auf. So gab es Osterbrot mit eingebackenem, ganzen Ei, und in einer Chocolaterie nahe der Zitadelle fanden wir ganze Osterhennen in Schokolade gegossen vor. Übrigens auch eine als "Bavaroise" titulierte Süßigkeit, die mir in dieser Form gänzlich unbekannt und meines Wissens auch nicht in Bavière beheimatet ist.
Es folgte der letzte Streich. Am Samstag fuhren wir zunächst an einen Strand nahe Porto Vecchio, dann in diesen Ort selbst (sehr touristisch), um uns dann dem großartigen Bonifacio zu nähern. Hier trug die Landschaft ganz andere Züge. Keine Bäume, eher wiesenhaft, die Straße verlief zunächst schnurgerade durch die wenig besiedelte Landschaft und schlängelte sich am Schluss zur Küste hin abwärts. Dann kommt der faszinierende Felsen in Sicht, auf dem Bonifacio gelegen ist. Wir parkten das Auto neben dem alten Seefahrerfriedhof und erkundeten begierig den Ort, die Touristenmassen mehr oder weniger geschickt umschiffend. Ganz besonders toll fand ich eine Art Balkon, eine Ballustrade hoch über dem Meer, von der aus man direkt nach Sardinien hinübersah. Die Sonne war hier stärker als im Norden. Ganz weiß. Ich war in nachdenklicher Stimmung. Die Schönheit dieser pitoresken Felsen überwältigte mich. Aber dies war der Endpunkt unserer Reise. Südlicher würden wir nicht mehr kommen. Wir stiegen zum Meer hinab und setzten uns auf den Kies. Ich sah zu Kathrin und dachte mir: Wie oft wirst Du das hier noch erleben? In dieser Formation? Ich hatte den Verdacht, dass dies das letzte mal sein würde, dass wir so eine Unternehmung zusammen machen würden.
Am nächsten Abend bereiteten wir die Abreise vor. Wir wischten den Boden, räumten auf, trugen Müll hinaus. All das geschah auf koordinierte Weise, ohne dass wir uns groß unterhalten mussten. Ich dachte nur daran, wie gut wir in unseren Urlauben mittlerweile zusammen funktionierten. Kalifornien, Paris, Washington, New York, Andalusien, Gardasee, Österreich, Tschechien, Cinque Terre, Genf. In Kalifornien hatte ich mich erstmals richtig in sie verliebt. In Paris liefen wir uns die Beine in den Bauch. In Washington war sie so in mich verliebt, dass sie wahnsinnig viel Geld ausgab und den für sie wahnwitzigen Plan verwirklichte, für nur eine Woche mal eben in die USA zu fliegen. Durch Andalusien fuhren wir 1800 km mit dem Auto und machten uns daraufhin zu hause Cafe con Leche und Brot mit Olivenöl und ausgedrückten Tomaten. Vielleicht waren dies alles kleine Dinge, aber mir sind sie viel wert.
Frühmorgens machten wir uns auf den Weg. Übergaben dem Nachbarn die Schlüssel, er war so schüchtern, dass er lieber vor dem Haus auf und ab ging als hineinzukommen. Ich raste nach Bastia und war ziemlich aufgeregt. Kathrin beruhigte mich noch, es wäre doch alles in Ordnung. Sie war unglaublich gut gelaunt. In den letzten Tagen schon war sie kaum mehr aus der Ruhe zu bringen gewesen, doch an diesem Tag legte sie eine konzentrierte Freude an den Tag, wie man sie nur selten sieht. Wir genossen die Fahrt mit der Fähre, für sie auch eine Premiere. Wir kuschelten und liebkosten uns wie eh und je und verstanden uns prächtig. Ich belauschte eine seltsame deutsche Familie. Der Vater stellte der Tochter Rätsel, die sie durch geschickte Fragen lösen sollte, wobei er nur ja oder nein sagen durfte. Auf der Fahrt Richtung Florenz vertrieben wir uns dann mit diesen Rätseln die Zeit. Schockierender Weise kamen wir in kurzem Abstand an zwei schweren Unfällen vorbei. In Florenz machten wir vielleicht etwas zu lange Rast. Doch wer kann an dieser Stadt vorbeifahren, ohne wenigstens einen Blick auf die Ponte Vecchio geworfen zu haben? Jedenfalls hatten wir noch ein leckeres Essen und machten uns dann weiter auf den Weg.
Zwischen Florenz und Modena war der Verkehr katastrophal. Stop and Go über 80 Kilometer. Mein Kühler fing an zu dampfen. Ich stellte den Motor ab, wann ich konnte, nicht wissend, dass das Aufdrehen der Heizung bereits Wunder bewirkt hätte.
Dann übernahm Kathrin das Steuer, und ich legte Partymusik auf. Wir steigerten uns in eine wahre Euphorie hinein, denn ich hatte mehrere Stunden gute Laune Musik dabei. Nie zuvor habe ich Kathrin so fröhlich gesehen. War es nur das Nach hause kommen? Oder war vielleicht wenigstens eine Winzigkeit Zufriedenheit wegen dieses Urlaubes vorbei? Jedenfalls erreichten wir am späten Abend München. Ich war zu matt, um nun noch einen Abend mit Kathrins Mutter über mich ergehen zu lassen, und verabschiedete mich am Eingang.
Nächster und vielleicht letzter Teil ist dann der Bericht über die folgenden vier Wochen.
Blubber()
some unimportant notes
Saturday, May 15, 2004
Wednesday, May 05, 2004
Was ist das für eine Zeit.
Ich habe an dieser Stelle noch nichts über die Vorkommnisse nach der Rückkehr von Kathrin aus Frankreich geschrieben, und wahrscheinlich habe ich heute nicht mehr die Möglichkeit, alles abzudecken.
Also wie war das mit diesem Korsika Urlaub. Ich muss es jetzt aufschreiben, weil ich so viel vergesse. Ich habe eine Flasche Muscat im Blick, und dieses Getränk wird mich wohl mein Leben lang an diese Begebenheiten ereinnern.
Es war der für mich aufwühlendste Urlaub, in dem ich bisher gewesen bin. Ich hatte mir schon am Mittwoch freigenommen, wollte dann Donnerstag, dem 1. April gemächlich durch Italien fahren, abends dort in einem einfachen Hotel einkehren udn am Freitag früh das Schiff nach Korsika nehmen. Kathrin war zu dieser Zeit noch in Tours und sollte am Freitag um 14:30 von Paris aus in Bastia Poretta landen.
In der vorangegangenen Woche hatte ich mir noch ein Autoradio mit MP3-CD-Player gekauft und mir einige CDs gebrannt, mit allen meinen MP3s und auch den Tapes von Richard Bandler, die ich mir aus dem Internet geladen hatte. So konnte ich ungefähr 40 Stunden Musik mitnehmen, sowie zwei Polt-CDs, die wir in diesem Urlaub durchaus einige Male angehört haben.
An den Tagen zuvor hatten wir einige leichte Missstimmighektien gehabt, da ich die Fähre nach hause für Ostermontag gebucht hatte. Das hatten wir so besprochen, aber ich hatte immer nur von Montag, dem 10.4. gesprochen. Ich wusste, dass die Nennung des Wortes Ostern sie sofort negativ gestimmt hätte. Jedenfalls, sie war zu dem Zeitpunkt, als wir das abgesprochen hatte, gerade mit der Freundin in der Bretagne unterwegs und hatte in der Aufregung derst jetzt darüber begonnen nachzudenken, eigentlich zu Ostern zuhause sein zu wollen.
Für mich hingegen hatte dieser Urlaub eine ganz andere Dimension. Die Beziehung verlief in den Monaten zuvor ziemlich schleppend. Spätestens seitdem sie wieder bei ihrer Mutter eingezogen war, im September 03 war das glaube ich, war insbesondere ich ein wenig von ihr abgerückt. Sie frustrierte mich, weil sie lieber bei ihrer Mutter und ihren Katzen verbrachte als bei mir. Ich fühlte mich gekränkt. Gleichzeitig hatte mein Einstieg ins ein geregeltes Berufsleben zur Folge, dass ich mich abends erschöpft danach sehnte, nicht in eine leere Wohnung zu kommen. Im Gegensatz dazu wurde unser Liebesleben - meiner Ansicht nach vor allem von ihrer Seite aus - immer weniger spannend, und wir kamen nur noch vielleicht einmal in der Woche zusammen. Im Herbst war ich kurzzeitig so frustriert, dass ich kurzzeitig ihr gegenüber nur noch Kälte fühlte. In dieser Zeit hatte ich sexuelle Fantasien und bandelte an einem Abend sogar mit einer Blonden in einer Disco an, jedoch nie in der Absicht, mehr daraus werden zu lassen.
Auf der anderen Seite war unser Alltag immer noch so wie vorher; wir trafen uns zum Bladen durch den englischen Garten und zur Blade night, wir gingen aus in Restaurants und hatten manchen schönen abend, wir kochten hin und wieder. Allerdings mochte ich nicht recht einen Fuß in ihre Wohnung setzen. Ihre Mutter ist ein Messy, und wenn ich sie zuhause treffe, zeigt Kathrin sich oft von ihrer unattraktivsten Seite. Dennoch waren die Male, an denen sie mich faszinierte und an denen ich sie wiederum wunderschön, unglaublich lieb, vertraut, verschmust und zärtlich fand, noch oft genug, und ich hatte nie auch nur den hauch eines Zweifels daran, dass von ihrer Seite aus unsere Beziehung war wie immer. Wahrscheinlich habe ich in dieser Zeit bis März ein wenig zu viel Schleifen lassen.
Der Punkt ist, dass wir es bisher nicht geschafft haben, unsere Beziehung, die immer auf gelegentlichen Treffen, bei denen man etwas organisiert hat, aufbaute, sowie auf unseren Urlauben, die für mich fast allesamt großartig und wahnsinnig schön waren (Cinque Terre eindeutig ausgenommen). Es waren diese Urlaube, für die ich immer gelebt habe.
In der Zeit, in der sie in Frankreich weilte - es waren ja nur fünf Wochen! - änderte sich für mich zunächst nichts; ich ging sogar noch auf eine Feier von Christoph Lerches Studienkollegen, auf der ich durchaus auf Flirts aus war, jedoch den Abend über unglaublich unerfolgreich, und an dessen Ende ich nicht ins P1 gelassen wurde und mit Oli Thallmair wie ein begosseneer Pudel um 2 uhr nachts nach Hause trabte.
Doch je näher der Urlaub kam, umso mehr änderte sich meine Einstellung. Ich nahm einen Zettel wieder heraus, den ich Wochen zuvor geschrieben hatte. Darauf hatte ich aufgeschrieben, was ich an Kathrin liebte und was nicht. Als ich das geschrieben hatte, ergab sich ein Verhältnixs von etwa 50:50. Als ich nun vor dem Urlaub erneut einen Blick darauf warf, waren alle ihre Schwächen plötzlich lächerlich und zählten nichts mehr.
Ich saß also im Auto, hörte meine selbst gebrannten CDs, und je näher ich dem Süden kam, mit jedem Kilometer, mit jedem Grad, mit dem die Sonne wärmer wurde, umso mehr flammte in mir eine unbändige Freude darauf. Ich freute mich auf diese Tage, ich freute mich auf diesen Menschen, ich freute mich auf ihre Berührungen, auf ihre Zärtlichkeit, auf ihre Liebe. Und natürlich auch auf die Insel, auf die Sonne, auf das kleine Abenteuer, mit dem eigenen Auto runterzufahren, und so weiter, aber das war alles im Hintergrund. Ich war also unterwegs, King of the Road, kehrte bei jedem Autogrill ein und trank einen dieser unglaublichen Kaffees, und näherte mich Florenz, als mir einfiel, dass sich ja mein Bruder Mathias gerade auf Urlaub in der Toskana befand. Flugs angerufen, verabredeten wir uns für den Abend in ihrer Unterkunft, etwa 40 Minuten südlich von Livorno. Ich fuhr also bei dem kleinen Hotel in Livornos Hafengegenfd vorbei, daraufhin wieder hinaus aus der Stadt und zu dem kleinen Weiler inmitten dieser sanften Hügellandschaft. Darin ein Agriturismo, ein alter Bauernhof, neben den die Gastwirte ein eher wenig einladendes Stadl als Speisesaal gebaut hatten. Doch bei den dreien herrschte Ausnahmezustand; Jutta hatte ein paar Stunden davor den Passat ihres Arbeitgebers vor ein entgegenkommendes Auto gesetzt. Wie durch ein Wunder waren Jutta und der kleine unverletzt. Allerdings machte sich der Vorfall beim kleinen Mann zur Bettgehzeit bemerkbar, so dass sich der gemütliche abend nicht mehr realisieren ließ. Unglaublicherweise war Mathias fünf Minuten später an die Unfallstelle gekommen, mit dem Rad. Was muss er gedacht haben, als er das eine Unfallauto als das Familienauto erkannte...
Am nächsten morgen trank ich einen grauenhaften Capuccino im Hotel, fuhr ausgeruhtester Weise auf das Schiff, trank dort weitere zwei Espressi, las in meinem Spiegel Special über den ersten Weltkrieg, machte es mir in der Lobby der Corsica Marina II gemütlich, gönnte mir noch einen frischen Orangensaft und fuhr bestens gelaunt und auf die Minute pünktlich von Bord.
Nun hatte ich zwei Stunden, in denen ich mich kurz in Bastia umschaute, dann kurz am Flughafen vorbeifuhr und mir daraufhin erstmal einen Überblick verschaffte. Ich fuhr in ein kleines Bergdorf auf einer Anhöhe vor der Ebene, in der der Flughafen liegt, und genoss die warmen Sonnenstrahlen und den Blick. Kurz vor 14:30 postierte ich mich ans Ende der Landebahn, um kurze Zeit später ein weißes Blinken über den Bergen des Cap Corse zu erspähen, das sich innerhalb weniger Minuten zu einem landenden Flugzeug verwandelte. Als das Flugzeug ohne Probleme aufgesetzt hatte (das war natürlich auch noch etwas Herzklopfen - man stelle sich vor, man steht in dieser Situation dort und das Flugzeug stürzt ab...) war ich kurz davor, Luftsprünge zu machen. Begeistert sprang ich ins Auto, fuhr um die Ecke und versuchte, am die Stop-Position suchenden Flugzeug vorbeizufahren und zu winken. Später sagte mir Kathrin allerdings leider, sie hätte das Auto nicht bemerkt. Ich fuhr zum Parkplatz, sperrte ab und lief zur Ankunftshalle, die nicht größer war als die eines mittleren Busbahnhofs. Nach ein, zwei Minuten entdeckte ich sie, sah sie mit ihrem charakteristischen Gang, und fiel ihr in die Arme. Ja, ich glaube, ich fiel ihr mehr in die Arme als sie mir. Sie wirkte etwas angestrengt, war nicht gerade herausgeputzt, und das Willkommen entsprach so nicht ganz dem, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte. Doch das konnte meiner guten Laune keinen Dämpfer verpassen.
Jetzt muss ich aufhören. Nächstes Mal weiter
Monday, April 19, 2004
Gues Aussagen heute:
(Quote) "Das letzte Thema ist doch perfekt. Was sind die wichtigen Wörter auf einer Seite? Ich hätte gerne die Entitäten und ihre Verbindungen. (geht zur Tafel)
E ^
| # #
| #
| # #
| #
+-------------------> D
Cooccurenz-Matrix für Entitäten.
1. Was sind die ähnlichen Seiten
2. Was für Entitäten sollte man noch dazupacken
Ich träume davon, dass die Entitäten noch kategorisiert sind und man dann sagen kann "Franz Guenthner Seiten nur im Bereich Suchmaschinen" zur Disambiguisierung.
Keine Ahnung wie man das machen kann." (Quote End)
Sunday, April 18, 2004
- Tomasz' Paper von 1997: "shows how constraint-based grammars can be sped up using FSA's"
- einige nette Definitionen auf der "freeencyclopedia.com"
- Dan Jurafsky ist in Stanford und beschäftigt sich v.a. mit
- und war vorher in Boulder (tolles Haus) und hat da auch noch mind. einen PHdler
- HPSG (Head-Driven PSG) ist von Sag und Wasow. Und ziemlich präsent in Tübingen und Saarbrücken. Warum es "Head-Driven" ist, weiß ich aber nicht. Was "Constraint-Based, lexicalist Approach togrammatical theory that seeks to model human languages as system of constraints" heißt, kann ich nur erahnen. Insbesondere, was das von anderen Ansätzen unterscheidet.
- Eng mit Tübingen-HPSG arbeitete auch Gerald Penn aus Toronto mit, der Autor von ALE (Attribute-Logic Engine) ist, ein Prolog-Programm, dessen genauen Sinn (logic programming and grammar parsing and generation system) ich mir nicht erschließen konnte. Der arbeitet heute wohl v.a. im Bereich Summarization
- At&T bietet eine GRM (Grammar Library) und eine Finite State Machine Library (Mehryar Mohri, Fernando Pereira - UPenn, Michael Riley) für gewichtete FSTs. Und graphviz zum visualisieren. Nett.
- Pereira ist Prof. an der UPenn und interessiert sich im moment für Finite-state models for text information extraction. UPenn hat wohl auch eine starke Machine Learning Group. "My main research goal is to develop machine-learnable models of language and other natural sequential data such as biological sequences"
- Mit im Team von Pereira ist auch AI Prof. Mitchell Markus, der die Penn Treebank initiiert hat und auch bei AT&T gearbeitet hat.
- Phillippe-Emanuel Roche ist, äh, war auch bei Stanford. Er hat 1997 mit Yves Schabes ein Buch "Finite-State Language Processing" geschrieben (das mit den Titel-Buchstaben in States)
- Roche ist neben Silbersztein und Grosz der meistzitierte Autor der Unitex-Leute. Silberstein ist der Intex-Mann
- Contributors des Buches sind neben den meisten obengenannten noch: Douglas Appelt, John Bear, David Clemenceau, Jerry Hobbs, David Israel, Megumi Kamenyama, Lauri Karttunen, Kimmo Koskenniemi, Eric Laporte, Michael Riley, Mark Stickel, Pasi Tapanainen, Mabry Tyson, Atro Voutilainen und Rebecca Wright
- Appelt arbeitet beim "SRI" dem ehem. Stanford Research Institute, in derAI Abteiluing, und beschäftigt sich mit Question Answering
- Bear publiziert seit 1979 im Bereich Syntax, Parsing, Morphologie etc., oft mit Appelt
- Hobbs ist noch ein SRI/AIler und hat mit Israel, kameyama, stickel, tyson an FASTUS mitgearbeitet. Das ist wohl etwas ähnlich wie Unitex... Israel hat ein lustiges Foto auf der SRI-Seite, aber seit fast 10 Jahren nichts mehr publiziert
- Laporte ist Prof. an der Uni Marne-Le-Vallee
- Koskenniemi ist Prof. für CL in Helsinki
- Tapanainen hat über "Finite-State and Functional Dependency Grammar" PHd geschrieben. Von letzterem habe ich noch gar nicht gehört
- Voutilainen arbeitet heute bei Connexor ("enriches text with linguistic markup")
- Rebecca Write ist am Stevens Institute of Technology, Hoboken, NJ, im Bereich Cryptography, design and analysis of secure distributed protocols, privacy, network security
- www.acronymfinder.com hat über 343000 Akronyme
- Leute mit Sprachproblemen, insbesondere Formulierungsschwierigkeiten aufgrund von Schlaganfall etc. heißen Aphasiker. Bei ihnen ist eine Region in der linken Hirnhälfte betroffen.
Thursday, January 22, 2004
Schon wieder 10 Tage herum. Fast nichts ist passiert:
- Arbeit: Ich habe fast nichts geschafft.
- Wohnung: Keine Zeit
- Diss: Keine Zeit
- Ski: Immerhin. zweimal Bad Wiessee. Spaßig.
- Geld: Ich mach Minus.
Achja. Da war noch die "Klausurtagung" von letzem Freitag/Samstag.
Als Entschuldigung für diese Zeilen muss ich folgenden Disclaimer einbauen:
Statement of Audience
---------------------
I realize that nothing I say matters to anyone else on the entire planet.
My opinions are useless and unfocused. I am an expert in nothing. I know
nothing. I am confused about almost everything. I cannot, as an
individual, ever possibly know everything, or even enough to make editorial
commentary on the vast vast majority of things that exist in my world. This
is a stupid document; it is meaningless drivel that I do not expect
any of the several billion people on my planet to actually read. People who
do read my rambling, incoherent dumbfuckery are probably just as confused as
I am, if not moreso, as they are looking to my sorry ass for an opinion when
they should be outside playing Frisbee with their dog or screwing their life
partner or getting a dog or getting a life partner. Anyone who actually
takes the time to read my bullshit probably deserves to ingest my fucked up
and obviously mistaken opinions on whatever it is that I have written about.
Am Schluss: Ein witziges Stück Web: http://www.topfx.com/cgi-bin/mixmaster.cgi
Monday, January 12, 2004
Die 18 letzten Tage in 7 Minuten beschrieben:
- 28. Dezember: Ich schaue mir 5 Wohnungen an, davon eine in Sendling, die mir recht gut gefällt. Hätte sie haben können. Aber perfekt ist sie eben nicht.
- 30. Dezember, Abfahrt nach Genf. Wir haben eine lange Fahrt, einigen Spaß, einen Tag skifahren in Porte du Soleil und jede Menge Fotos. Aber viel geredet haben wir nicht dabei.
Ich wünsche mir ein paar Tage allein mit Kathrin, woanders, ohne was zu tun. Nur Strand und nichtstun.
Zurück am 3. Januar. Kathrin hat 2 Klausuren nächste Woche und besteht drauf.
- 4.-6. Januar: Ich mache vor allem nichts und spiele "Rollercoaster Tycoon II". Muss auch mal sein. Kein schlechtes Gewissen.
- 6. Januar: Mir geht es ziemlich gut.
- 7. Januar. Mir geht es hundsmiserabel. Total depressiv nach dem ersten Arbeitstag. Fahre ins CIS, finde dort Guenthner vor und sage ihm, dass es so nicht weitergehen kann.
Im folgenden schreibe ich 5 Themenvorschläge auf. Das ist alles, was bisher passiert ist. Wie bekomme ich mehr Zeit für die Diss.? Ich hoffe, sie verflüchtigt sich nicht wieder in den nächsten Tagen. In den Weihnachtsferien hat sich mein Fokus darauf gerichtet.
- 8. Januar: es geht wieder bergauf. Ich kann einiges von dem abarbeiten, was ich vor Weihnachten habe liegen lassen.
- 10. Januar: Ich komme nur 2 Stunden in die Arbeit und mache mir sonst einen schönen Tag. (ist eigentlich CIS-Tag) Keinen Bock. Achja, ich habe den Jurafski binden lassen. So scheint es, als gehe es mit der Arbeit weiter.
Abends bei Katrhin.
- 11. Januar: Ich schlafe den ganzen Tag und stehe erst um 17:00 auf. Spiele "The Sims". Jetzt reichts aber. Ich installiere meinen Rechner neu. Plötzlich funktionieren Dinge wieder, die seit Monaten kaputt waren (Modem etc.) und der Rechner ist doppelt so schnell.
- 12. Januar: Bei den Eltern. Wir kommen über die oberflächlichkeiten nicht hinaus. Flori zeigt Fotos von Korsika auf seinem Rechner. Mittelbar führt das am nachmittag zu einer großen Depression meiner Mutter. Sie weint, sagt, sie konnte früher Produktionen fahren, heute kann sie nichts mehr. Man könnte sie vergessen. Sie kann das Telefon nicht bedienen, weiß nicht, dass man 0 vorwählen und warten muss. Streit mit Vater, weil sie sagt, um 17:00 hätte es doch Tee geben sollen. Was das soll, soll sie es halt selber hinstellen. Komplizierte Situation, aber verständlich. Beide fühlen sich auf den Schlips getreten, er verlässt für 2 Stunden das Haus. Er ist ein Nervenbündel, muss für alles sorgen, die Hunde, das Essen, das Haus. Wir kommen bis zum abend nicht zum reden. Ich bringe ein Stück weit meine Finanzen in Ordnung, unterhalte mich spät abends noch mit Basti über Buchhaltungsprogramme. Unglaublich.
- 13. Januar: Die Firma saugt mich wieder ein. Heute 11-21 Uhr. Muss Workshop vorbereiten, mir überlegen, was ich in der nächsten Zeit mache. Ende der Woche ist Klausurtagung. Morgen Seminar beim Günthner, danach 4.1 Brainstorming über Telefon mit Oslo, dann Wochenbesprechung, wo ich sagen muss, dass ich die Job-Anzeige immer noch nicht weitergeleitet habe. Oder vielleicht mach ich das jetzt noch. Ist ja erst 2:05.
14 statt 7 Minuten.
Am Abend "Lost in translation" mit Bill Murray und Scarlett Johannson, der geilen Sau. Die Melancholie des Films kann ich komplett verstehen. Ich bin eben doch in der Quarter Life Crisis.
Saturday, December 27, 2003
Nach Wochen der totalen Agonie lichtet sich der Nebel ein wenig.
Der Schluss zuerst. Komme gerade aus "L'auberge Espagnole". Was für ein Film!
Endlich wieder etwas Leben! Endlich Chaos, Träume, Farben, Gefühle.
Eine Mischung aus Trauer darüber, dass diese Zeit hinter mir liegt (tut sie das??), verbunden mit diesem wahnsinnigen Gefühl angenehmer Erinnerung. Meine Erinnerungen sind nicht so lebendig wie die im Film, aber die im Film wirken wie eine Vergrößerung der Eindrücke, die ich gewonnen habe.
Und dann diese wundervollen Sätze wie "Das bin ich, das auch, das auch. Ich bin ein Franzose, ein Däne, ein Engländer. Ich bin sie alle. Das ist Europa, das totale Chaos". So in etwa. Figuren zum Verlieben. Der Deutsche erinnert mich übrigens an René.
Noch während die Schlusstitel liefen, habe ich eine SMS an Rune und an Christian Moen geschickt. Warum Christian Moen? Ich weiß nicht. Irgendwie scheint er mir von den Leuten, mit denen ich jetzt Kontakt habe, noch am Vernünftigsten.
Der Rest besteht nur aus totalen Schmocks. Ahnungslose Menschen. Menschen mit einer Gehirn-Ektomie.
Diese Menschen ähneln denen am Schluss des Films, wo der Hauptdarsteller endlich sein Ziel erreicht und einen Job in einem Ministerium annimmt. Er flieht sehr schnell. Aber ist das die Lösung? Oder werden wir alle zu Patrick Koetters und Konsorten, wenn wir das tun? Sind wir dazu verdammt, zu workoholisierten Langeweilern zu werden, die sich nur auf das aschgrau des Alltags konzentrieren? Ist es so, wie die Süddeutsche schrieb, dass man in diesem Film "das letzte Aufbegehren der Jugend" sieht, was mich, als ich das gelesen hatte, schon aschgrau werden lies, oder gibt es stattdessen irgendeine Art von Hoffnung?
Ein Schritt zurück. Ich habe heute 5 Wohnungen angeschaut. 5 Wohnungen! Das ist im Gegensatz zu meiner Apathie der letzten Zeit eine Menge Holz. Ich habe mich wirklich hingesetzt, die Zeitung studiert, Anzeigen rausgeschrieben, Leute angerufen. Da war: Eine Wohnung in der Clemensstraße, 3 Zimmer, davon ein winziges Arbeitszimmer. Eine Spur zu teuer, das Arbeitszimmer einfach zu klein. Aber eine schöne Wohnküche und hie und da Stauraum. Und zwei nette Zimmer, davon eines mit Dielenboden (knarzig). Kathrin und Mutter waren dabei. Kathrin sieht im Moment schlimmer aus als auf ihren Fotos von der Schule. Der totale Rückfall. Die Mutter klammert und klammert und hat sie voll im Griff. Ich muss ihr diesen Film zeigen. Diese Mutter macht mich echt fertig. Ich bin im Moment mit einer Freunding und ihrer Mutter zusammen. Das habe ich ihr gesagt. Sie scheint nicht zu verstehen. Ich verstehe nicht, warum sie nicht versteht.
Die zweite Wohnung: Im Neubauviertel der Parkstadt Schwabing. Dort würde ich zum Total-Zombie. Aber netter Ausländer-Besitzer, wahrscheinlich Türke oder vielleicht Ungar. Sehr gepflegt. Dann Miets-Ghetto in Sendling-Süd. Nette Leute, neu renoviert, aber ich würde jeden Tag den Eingang mit meiner Kotze beschmutzen. Einziger Vorteil: Nah an der Garmischer Autobahn, fürs Schnell-Weg-Kommen. Wohnung Nummer vier war eine 2,5 Zi.-Wohnung in der Agnesstr. 54, fast an der Schleißheimer. Die einzige mit Makler, Bubigesicht, immer lächelnd. Die Wohnung rausgeputzt, aber gesichtslos. Granitböden und in die Decke eingelassene Halogenlampen. Welch Gegensatz zum angestaubten, unschönen Treppenhaus. Nein, hier würde ich den Blick auf die Osteria mit dem Blick auf die Agnesstraße 53 wechseln.
Als Letztes eine nette Wohnung in Sendling, Daiserstraße, hinter dem Centro Espanol im Rückgebäude. Kommt mir schön vor, im Moment ist sie total verstellt und von einer scheinbar etwas messyen Amerikanerin bewohnt. Vom Freund scheinbar kürzlich getrennt. Hab sie für eine Australierin gehalten, wegen Foster's Aufkleber und Beware-the-Moose Schild. War sie aber nicht. Die Wohnung hatte bei weitem am meisten Flair, wenn auch nicht den Bergblick, den ich wohl suche. Schaue sie mir Montag morgen (10:00 ist für die Dame früh) nochmal an.
Danach Treffen mit Chaehan und seinem Bruder Theo im Steinheil 16. Prima Schnitzel. Die beiden haben glaube ich keine Ahnung wie sich das anfühlt, was ich gerade erlebt habe. Den Film habe ich mir ganz allein gegönnt. Kathrin ist in Dachau bei der Spezi-Fraktion.
Gestern FiTa mit diversen ex-klässlern. Pizza 98 + Spezi kostet immer noch 7,50 Euro, erstaunlich. Hab ich aber nicht genommen. Ganz netter Abend, aber eher langweilig. Aber Gespräche über die Promotion. Ich habe für mich geschlossen: Mein System funktioniert nicht. Ich brauche mehr Zeiteinheiten für die Promotion. Mal sehen, ob FAST da was zuschießen kann und mir nebenbei ermöglicht, die Arbeit auf Korsika im Liegestuhl zu schreiben.
Gott, gib mir mehr Tage wie diesen! Es scheint mir, wie aus einem langen Schlaf für kurze Zeit zu erwachen und mit einem Mal voll da zu sein.
Der genaue Gegensatz zu gestern, als ich eigentlich nach Muc gefahren bin, um in meiner Wohnung aufzuräumen, und dann aber bis um 15:00 im Bett gelegen und danach wieder nach Feldafing rausgefahren bin. Scheiß Depression. Dafür dort Freude über den Sonnenuntergang in Gelb, Orange, Rot, Violett, Türkis und Blau und unheimliche Ruhe beim Blick auf schwarze, schattige Bäume mit tausenden von Ästen vor dem unheimlichen Panorama schneebedeckter Berge.
Morgen versuche ich einen draufzusetzen, indem ich mit Christoph und Jürgen, seinem ex-Kommilitonen, nach Garmisch zum Skifahren fahre. Mal sehen ob das was bringt. Habe es nicht organisiert, Kathrin noch mit einzuladen. Wahrscheinlich wäre sie eh nicht begeistert gewesen, aber jetzt wird sie vielleicht beleidigt sein, dass ich sie nicht mitgenommen habe.
